Landshuter Zeitung 2025 12 30

Ghana-Landshut-Gahna ● Kwame Abrefa-Busia berichtet über seine Projekte

Seit längerem unterstützt unser Arbeitskreis den Verein „Ghana Community Niederbayern e. V.“, dessen Präsident Kwame Abrefa-Busia bei unserem Treffen im November über seine Projekte in Ghana berichtete. Er kam vor mehr als 40 Jahren als Flüchtling nach Landshut. Auslöser für seine Aktivitäten war der Tod seiner Mutter in einem Krankenhaus wegen schlechter hygienischer Verhältnisse. In Ghana müssen die Familienangehörigen für die Verpflegung der Patienten selbst sorgen. Diese Personen übernachteten oft im Flur des Krankenhauses, weil sie kein Geld für eine Unterkuft hatten. Er gründete einen Verein, mit dem er beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ einen Förderantrag stellte. So entstand ein einfaches Gebäde als Unterkunft für Familienangehörige. Durch sein Engagement erlangte er in Ghana und in Deutschland viel Anerkennung und wurde motiviert, weitere Projekte dort anzustoßen. So entstanden 2017 eine Urologische Station und 2019 ein Physiotherapie-Zentrum in Wenchi, 2024 ein Krankenhaus mit 95 Betten und ein Orthopädisches Zentrum, dass im nächste Jahr fertiggestellt wird, in Koase. Kwame Abrefa-Busia und sein Verein „Ghana Community Niederbayern e. V.“ mussten immer 25% der Kosten selbst aufbringen, um die Förderung für die Projekte durch das BMZ zu erhalten.

Er bedankte sich bei unserem Arbeitskreis und den privaten Spendern für die Unterstützung und die damit verbundene Hilfe für Patient*innen. Besondere Unterstützung erfahren Menschen, die sich eine Behandlung kaum leisten können.

Faire Biketour von Sylt nach Salzburg: Boxenstopp in Landshut

Der Reiseexperte, Sachbuchautor und begeisterte Radfahrer Frank Herrmann nimmt uns mit auf seine 11. Faire Biketour, die ihn dieses Jahr von Sylt nach Salzburg führt.

In Landshut hat er bei seinem Vortrag „FAIRreisen“ über Probleme des Massentourismus gesprochen, unterschiedliche Verkehrsmittel verglichen und Möglichkeiten eines fairen Reisens dargestellt. Ausführlich beleuchtete er Umweltschäden und soziale Ungleichheiten bei Reisen. Overtourism, CO2-Ausstoß, Müllmassen in Naturparadiesen – dies sind nur einige Probleme des Massentourismus. Nicht nur in Spanien gibt es Proteste gegen den Massentourismus: Die Bewohner touristisch interessanter Orte wollen nicht mehr länger hinnehmen, dass ihre Umwelt verschmutzt und ausgebeutet wird und sie mit den Problemen wie Wassermangel durch den Tourismus allein gelassen werden. Besonders Städte und Orte, die medienwirksam gepostet werden, sind restlos überfüllt. Zwei Stunden anstehen für ein Foto gehört inzwischen zur Normalität. Zudem nehmen die klimaschädlichsten Formen des Reisens, Flüge und Kreuzfahrten extrem zu.

Herrmann betonte, dass ein ökologisches, umweltverträgliches und rücksichtsvolles Reisen keine Einschränkung bedeutet, sondern eine Chance für mehr Authentizität und bewusstes Erleben bietet. Geld für Kompensation sei auch nicht die Lösung. Oft landen diese Gelder in zweifelhaften Projekten. Besonders hilfreich für die Speicherung des entstandenen CO2 ist die Förderung der Wiedervernässung von Mooren. Doch auch dann hat schon die Verschmutzung der Umwelt stattgefunden! So sollten wir alle bei der Planung einer Reise auf emissionsarmes Reisen und einen fairen Umgang miteinander setzen. Dazu gibt es schon viele hilfreiche Informationen. Frank Hermann betonte zum Abschluss, dass Reisen für die Persönlichkeit der Menschen ein wichtiger Faktor ist, um andere Kulturen kennenzulernen und sein eigenes Leben zu reflektieren.

Der Arbeitskreis solidarische Welt Landshut e.V. hat es in Kooperation mit dem Christlichem Bildungswerk (CBW), der Evangelischen Erwachsenenbildung (EEB), UNICEF, Weltacker, Regionalkollektiv eG, Gemeinwohlökonomie, ADFC und VCD, finanziert durch die Stadt Landshut, ermöglicht, dass die Faire Biketour auch in Landshut Station macht.

„Fair unterwegs – Wie wir in Landshut die Welt ein Stück gerechter sahen!“

An diesem besonderen Vormittag wurde die Altstadt von Landshut zum Klassenzimmer – und die globale Gerechtigkeit zum Unterrichtsthema. Das Fairtrade-Wahlfach des Gymnasiums Seligenthal begab sich mit Frau Andrea Gerung von der Eine Welt-Station auf eine Stadtführung der anderen Art: informativ, nachdenklich und voller Aha-Momente.

Perspektivenwechsel an der Martinskirche

Gleich zu Beginn, neben der imposanten Martinskirche, wurde klar: Diese Führung wird mehr als nur ein Spaziergang. Mit einer Weltkarte in der Hand erklärte Frau Gerung die ungleichen Beziehungen zwischen dem globalen Norden und Süden. Wer produziert eigentlich unsere Alltagsprodukte – und unter welchen Bedingungen? Ein Perspektivenwechsel war gefragt – und genau das ist der erste Schritt zu mehr Fairness.

Kleidung mit Geschichte

Im Secondhand-Laden wurde die „Reise einer Jeans“ zur spannenden Weltreise – leider mit vielen Schattenseiten: Ausbeutung, Umweltverschmutzung, Wegwerfmentalität. Doch es ging nicht nur um Kritik, sondern auch um Alternativen: Secondhand kaufen, bewusster konsumieren, Verantwortung übernehmen. Denn faire Mode beginnt mit der Entscheidung, nicht alles neu zu brauchen.

Smartphones – smarter nutzen

Im Handyreparaturladen wurde es technisch – und politisch. Die Herstellung von Smartphones ist ein Paradebeispiel für globale Ungerechtigkeit: seltene Rohstoffe aus Krisenregionen, schlechte Arbeitsbedingungen, riesige Müllberge. Die Botschaft: Reparieren statt wegwerfen! Denn auch Technik kann fair(er) gedacht werden.

Fairer Handel – mehr als nur ein Siegel

Der letzte Stopp im Eine-Welt-Laden in der Grasgasse war ein echtes Highlight. Zwischen Kaffee, Schokolade und kunsthandwerklichen Produkten wurde deutlich, was Fairer Handel wirklich bedeutet: Menschenwürdige Arbeitsbedingungen, faire Löhne, keine Kinderarbeit, Umweltschutz und langfristige Partnerschaften. Es geht nicht um Almosen, sondern um Gerechtigkeit auf Augenhöhe.

Fazit: Fairness beginnt bei uns

Diese Stadtführung hat uns gezeigt: Fairer Handel ist kein Nischenthema, sondern eine Haltung. Eine Haltung, die wir im Alltag leben können – beim Einkaufen, beim Konsumieren, beim Nachdenken. Und genau das haben wir heute gelernt: Wer die Welt verändern will, muss nicht weit reisen. Manchmal reicht ein bewusster Blick auf das, was direkt vor uns liegt.

50. Mitgliedaschaft in einem gemeinnütigen Verein – 40 Jahre AK solidarische Welt Landshut

Herzlich willkommen Frau König! Seit vielen Jahren setzen sich Anja König und der Arbeitskreis solidarische Welt Landshut e.V. für den Fairen Handel und die Achtung der Menschenrechte gemeinsam ein. Die Arbeit für die Fairtrade-Stadt Landshut verbanden sie und den Verein nachhaltig. Als 50. Verein, in dem sie sich als aktives Mitglied einsetzt, wählte sie den Trägerverein des Weltladens. So können auch ohne die Auszeichnung „Fairtrade-Stadt“ gemeinsame Ziele weiterhin verfolgt werden. Wir begrüßen unser neues Mitglied und freuen uns auf die Zusammenarbeit.

Dem Fairen Kaffee auf der Spur

Zum Walk & Talk – einem interaktiven Spaziergang – haben das christliche Bildungswerk und der Arbeitskreis solidarische Welt Landshut eingeladen, um sich mit Landshutern über das Lieblingsgetränk der Deutschen, dem Kaffee, auszutauschen und zu informieren. Sie konnten dafür den Experten Dr. Maximilian Held von Oikocredit gewinnen, der das Thema mit fachlichem Input darstellte aber auch die Teilnehmer interaktiv in das Thema fairer Kaffee eingebunden hat. Oikocredit engagiert sich in der Finanzierung von wirtschaftlich benachteiligten Menschen auf der ganzen Welt. Lokale Partnerorganisationen in den Bereichen inklusive Finanzwirtschaft, Landwirtschaft und erneuerbare Energien werden unterstützt.

Der Rundgang startete in der Freyung mit grundlegenden Informationen über den Kaffeeanbau, Anbaugebiete, Sorten und den Vorlieben des Kaffeetrinkens bei den Teilnehmern. Das Lieblingsgetränk wird immer teurer, der Kaffeepreis steigt unaufhörlich; das wird sich in nächster Zeit auch nicht ändern. Auslöser ist der Klimawandel, der erhebliche Auswirkungen auf den Kaffeeanbau hat. Dies äußert sich in Extremwettersituationen, Verlust von Anbauflächen wegen Temperaturerhöhung und die Ausbreitung von Krankheiten und Schädlingen. Um die Auswirkungen zu mildern, setzen Bauern auf nachhaltige Agroforstsysteme, Schattenanbau, Wassermanagement und Humusbildung, um die Pflanzen zu schützen und die Produktivität zu erhalten.

Bei Station zwei beleuchtet Maximilian Held die Wertschöpfungskette beim Kaffee. Diese umfasst die verschiedenen Schritte von Anbau und Ernte im Erzeugerland bis zum Verkauf des fertigen Produkts. Ein entscheidender Punkt ist, dass nur etwa 14 % des Erlöses im Anbauland verbleiben. Der Großteil der Wertschöpfung findet in den Importländern statt und somit verbleibt hier der größte Teil des Erlöses. Dies zeigt die wirtschaftliche Ungerechtigkeit in der Kaffeeindustrie.

Um mehr über den „guten“ Kaffee zu erfahren, führte der Weg in die Rosengassen zu dem Geschäft „La Barista“. Hier erfuhren die Teilnehmer alles über verschiedene Kaffeesorten, die Kunst des Röstens und die Zubereitungen mit unterschiedlichen Methoden.

Wer in Landshut auf der Spur zum fairen Kaffee ist, kommt nicht am Weltladen in der Grasgasse vorbei. Andrea Gerung erläuterte anschaulich und sehr engagiert die Grundlage des Fairen Handels. Diese Information ist wichtig, um das Bewusstsein für die sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen im Kaffeeanbau zu schärfen. Sie zeigt, wie der Klimawandel, schwierige Arbeitsbedingungen und die unfaire Verteilung der Wertschöpfung die Lebensgrundlage der Kleinbauern gefährden. Durch die Förderung von fairem Handel und nachhaltigen Anbaumethoden können die Produzenten besser unterstützt werden, was langfristig zu einer gerechteren und umweltfreundlicheren Kaffeeproduktion beiträgt. Verbraucher können durch den Kauf von fair gehandeltem Kaffee aktiv dazu beitragen, die Lebensbedingungen der Bauern zu verbessern und nachhaltige Praktiken zu fördern. Fairer Handel unterstützt Genossenschaften, soziale Projekte wie z.B. Bildung, Gesundheitsversorgung und Infrastruktur, die die Lebensqualität der Bauern und ihrer Gemeinschaften verbessern.

Nach so vielen Informationen ließen die Teilnehmer den Nachmittag bei einer guten Tasse Kaffee, natürlich fair gehandelt, im Café Buch und Symposium ausklingen. Viele Teilnehmer äußerten sich sehr positiv über die Gestaltung und die vielen Informationen, die dieser Rundgang für sie gebracht hat.

40 Jahre aktive Arbeit für eine gerechtere Welt

Am Samstag, 21. Juni 2025, feierte unser Arbeitskreis vor dem Weltladen sein 40-jähriges Bestehen. Das Team des Weltladens und viele aktive Mitglieder des Vereins bereiteten kulinarische Spezialitäten mit Produkten aus dem Weltladen vor. Musikalisch begleitet haben unser Fest Musiker der Gruppe COCOverde mit brasilianischer Musik. Auf einer Pinwand konnten die Besucher Szenen aus dem Vereinsleben betrachten und mancher fühlte sich in die Vergangenheit zurückversetzt. Wer tiefer in die Vereinsgeschichte eintauchen wollte, hatte die Möglichkeit, auf einem Zeitstrahl 40 Jahre Arbeit zurückzuverfolgen. Meist anhand von Zeitungsartikeln wurden die vielen Aktivitäten und Projekte dargestellt.

Ein schönes Fest bei herrlichem Wetter mit vielen Besuchern, das uns ermunterte, die Ziele des Arbeitskreises auch in Zukunft aktiv in Landshut weiterzuverfolgen. Vielen Dank an alle, die mitgearbeitet haben.

alle Fotos: Thomas Pachtner

Nein, schafft nicht

LZ am 6.6.2025

Schokolade für gutes Klima

LZ am 6.4.2025

25 Jahre Weltladen in der Grasgasse; jetzt in neuem Glanz!

Seit 25 Jahren ist sein Sitz in der Grasgasse. Diese Zeit ist an ihm nicht ohne Gebrauchsspuren vorbei gegangen. So wurde der Beschluss gefasst: „Wir machen mal alles neu“. Wir, das sind viele Ehrenamtliche, die den Weltladen am Laufen halten. Innerhalb von nur 6 Tagen wurden die Waren ausgeräumt, Regale abgebaut, die Wände geweißelt, eine Vielzahl von Regalbrettern vom Schreiner abgeschliffen und von vielen fleißigen Mitgliedern und Freunden des Arbeitskreises solidarische Welt Landshut e.V. mit Hartwachsöl behandelt. Die Beleuchtung wurde auf energiesparende LEDs umge-stellt. Das Einräumen dauerte dann noch mal zwei Tage, doch jetzt ist es geschafft – der Weltladen erstrahlt in neuem Licht!

Wir danken ganz herzlich allen Helferinnen und Helfern für ihren Einsatz. Die Hilfsbereitschaft war für uns sehr erfreulich und hat uns gezeigt, dass der Zusammenhalt im Verein auch nach 40 Jahren noch da ist!

Alle Fotos: Thomas Pachtner